Rund zwanzig Beschäftigte aus Langzeitpflege und Betreuung haben ein Care-Manifest erarbeitet, um würdevolle Lösungen für die Krise in der Langzeitpflege zu finden. Sie fordern faire Arbeitsbedingungen und die Wahrung der Würde der älteren Menschen, um die sie sich kümmern.
Das Care-Manifest ist der Ausdruck einer demokratischen Gewerkschaftsarbeit. Es entstand in Gruppendiskussionen, an denen sich Beschäftigte aus Langzeitpflege und Betreuung beteiligten. «Dieses Manifest ist einzigartig: Es ist das erste Mal, dass sich Arbeitnehmende kollektiv und autonom organisieren, um in einem Manifest eine Diagnose, eine Vision und eine Strategie für eine qualitativ hochwertige Langzeitpflege und Betreuung zu entwickeln», schreibt die Unia in einer Medienmitteilung. Unterstützt wurden sie dabei von Nicolas Pons-Vignon von der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI) und Karin van Holten von der Berner Fachhochschule (BFH). Das Manifest analysiert die Krise der Langzeitpflege aus der Perspektive der Betroffenen. Es formuliert eine Vision, wie gute Pflege und Betreuung aussehen müssen und eine Strategie, wie dies erreicht werden kann.
Zunächst nehmen die Autor:innen im Care-Manifest eine klare Analyse der Lage vor: Die Langzeitpflege befindet sich aufgrund der ineffizienten und gefährlichen Standardisierung der Care-Arbeit auf dem Holzweg. Die Reformen nach dem New Public Management laufen der Care-Logik zuwider, die die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Mittelpunkt stellt und von den Pflegenden und Gepflegten befürwortet wird. Anschliessend präsentiert die Arbeitnehmenden eine «Vision 2035» für eine gute Pflege und Betreuung. In der Einleitung wird festgestellt, dass Pflege und Betreuung zu einer kollektiven Verantwortung einer solidarischen Gesellschaft werden müssen. Daraus werden 35 Schlüsselelemente abgeleitet, die von der Organisation am Arbeitsplatz über die Arbeitsbedingungen und den gesellschaftlichen Wandel bis zur Rolle des Staates reichen. Schliesslich haben die Autor:innen eine Strategie erarbeitet, die die Care-Arbeit in den Mittelpunkt ihrer Mobilisierung stellt und die Unterstützung der Bevölkerung und Zivilgesellschaft fordert, die die Werte der Würde und des Respekts teilen.
Die Unia wird das Manifest breit streuen: an den Arbeitsplätzen verteilen, aber auch an diversen Veranstaltungen vorstellen und vor allem mit Pflegenden darüber sprechen. Ziel ist es, eine breite gesellschaftliche Diskussion auszulösen und den Druck für bessere politische Rahmenbedingungen zu erhöhen.